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Archiv 2008: Achternbusch Drucken

Dokumentation, 90/45 Minuten

Wir freuen uns bekanntgeben zu dürfen, dass "Achternbusch" für den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2009 nominiert wurde!


>>Pressestimmen


>>Interview mit Regisseur Andi Niessner


>>Festivalteilnahmen


Fast 30 Filme, über 20 Theaterstücke, hunderte von Bildern, etliche Prosabände und Romane - für viele bleiben der Künstler Herbert Achternbusch, seine Gedankenwelt und sein Werk ein Rätsel. Achternbusch, der am 23.November 2008 70 Jahre alt wurde gehört zu den kreativsten, kompromisslosesten und unkonventionellsten deutschen Filmemachern, der seine Unabhängigkeit trotz aberkannten Filmpreisen und Aufführungsverboten („Das Gespenst“, 1982) sowie finanziellen Engpässen nie aufgab - bis zu seinem radikalen Entschluss, nie mehr Filme zu machen, im Jahr 2002.


Der Regisseur Andi Niessner war 1996 und 1998 Aufnahmeleiter bei den letzten beiden großen Spielfilmen von Achternbusch. Im Gespräch schafft es Niessner, den Universalkünstler in einer bisher unbekannten Nähe und Offenheit zu zeigen: Achternbusch spricht über seine Eltern, seine Kindheit in Niederbayern und München, sowie seine Anfänge als Schriftsteller und Filmemacher. Wir erfahren wer und was ihn beeinflusst hat, wie es um sein Verhältnis zu Bayern steht, inwiefern sich seine Einstellung zur Kirche verändert hat, und wie sein Leben heute aussieht.


Wir begleiten Achternbusch bei seinen Rundgängen auf dem Münchner Viktualienmarkt und im Zoo sowie bei einem Aufenthalt in seinem Haus im österreichischen Waldviertel. Dazwischen kommen seine Kinder zu Wort, und auch Weggefährten wie Margarethe von Trotta, Gabi Geist, Dieter Dorn und Sepp Bierbichler.


Im Auftrag des BR, vertreten durch Walter Greifenstein, Petra Felber und Armin Kratzert und des ORF, vertreten durch Franz Grabner, schuf Andi Niessner unter der Produktion der Tellux Film einen exklusiven Einblick in die Person Herbert Achternbusch, wie er sonst nur dessen engen Vertrauten zuteil wird.

Sendetermin

14.06.09 I 12.40h I BR (45 Minuten Fassung)

22.11.08 I 21.45h I BR


Pressestimmen


"Nach fast dreißig Filmen, etlichen Aufführungsverboten und aberkannten Filmpreisen hat Herbert Achternbusch 2002 endgültig beschlossen, nicht mehr als Regisseur zu arbeiten. In Andi Niessners Dokumentarfilm "Achternbusch" melden er und sein subversives Denken sich noch einmal zu Wort. Er erinnert sich an die Linksschickeria Schlöndorf, von Trotta und Co, stellt fest, dass Werner Herzog ein schöner Mann war, aber schlecht gealtert sei. Und er sinniert über die Nazis, die doch lieber die katholische Kirche als die Juden hätten überfallen sollen. Einsam wirkt er, wie der Held aus seinem Oktoberfestfilm "Der Bierkampf'; der stets allein am Stammtisch sitzt. Für einen wie Achternbusch gibt es in der deutschen Filmlandschaft tatsächlich keinen Platz mehr." TAZ


„Der Dokumentarfilm „Achternbusch“ gehört zu den Highlights der 42. Internationalen Hofer Filmtage“. Abendzeitung


„wunderbar“ Süddeutsche Zeitung


„….in Andi Niessners ausgesprochen gelungenem Filmportrait „Achternbusch“, das dem großen bayerischen Anarchisten ein filmisches Denkmal setzt…“ Stuttgarter Zeitung

Interview mit Andi Niessner


"Achternbusch lodert. Wenn man ihm zu nahe kommt, verbrennt man." Dieser Satz fällt im Film. Um einen guten Dokumentarfilm zu machen, muss man aber nahe heran gehen. Wie haben Sie das bei Herbert Achternbusch geschafft?

Ich kenne Herbert Achternbusch seit zwölf Jahren, denn ich war Teammitglied bei seinen letzten beiden großen Kinoproduktionen und hab den Kontakt immer wieder aufrechterhalten, hab ihn immer mal am Stammtisch besucht, mal ein Bild gekauft – drum kennt er mich einfach lange und das hat für Vertrauen gesorgt.

Wie kam es denn zu der Zusammenarbeit mit Herbert Achternbusch?

Die Produktionsleiterin des damaligen Filmes hat mich angesprochen, ob ich irgendjemand kenne, der wenig Erfahrung hat und wenig Geld verdienen will. Da sag ich "um was geht’s denn?" "Ja, um den Achternbusch. Aber das ist nichts für dich", meinte sie. "Was heißt da, das ist nichts für mich. Das interessiert mich total." "Ja, du bist überqualifiziert, verdienst da ganz wenig Geld." "Ist mir wurscht." Dann hatte ich ein Vorstellungsgespräch beim Herbert Achternbusch. Und da hat er nach zwei Minuten gesagt, du bist dabei.

Weiß ich nicht. Ich dachte, der nimmt mich nie, weil ich nicht gescheit bayerisch kann, aber er sagte: "Du bist dabei!" Das war 1996.

Sind Sie mit Achternbusch-Filmen aufgewachsen?

Ich kannte eher die Theaterstücke, weil ich als Teenager einfach lieber ins Theater gegangen bin als ins Kino. Ich wollte ja Schauspieler werden. Achternbuschs Stücke haben mich sehr fasziniert. Die Filme fand ich dagegen eher schwer verdaulich. Ich finde Achternbusch-Filme sind wie die Kunst von Joseph Beuys. Man muss einfach über den Künstler sehr viel wissen, um seine Filme verstehen zu können.

Dann ist Ihr Film ja der ideale Einstieg um sich neu mit Achternbuschs Werk zu beschäftigen?

Genau, mein Ziel war nicht dem Achternbusch-Freak, sondern dem normalen Zuschauer den Künstler und Menschen Achternbusch näherzubringen. Zu zeigen, wie er tickt und vorher er kommt.

Wurde eigentlich längst Zeit, dieser Film. Schließlich war Achternbusch fast ein bisschen in der Versenkung verschwunden – zumindest hatte ich den Eindruck, dass ihm bis vor kurzem nicht genug Wertschätzung entgegengebracht wurde.

Aber das will er so. Er ist selber schuld. Er will ja auch bewusst nicht professionell sein, drum arbeitet er mit Laien, drum malt er so einfache Bilder, obwohl er ja Malerei wirklich studiert hat. Aber er will dieses Proletarische, wobei er als Zahnarztsohn nicht soo proletarisch ist…aber er will dieses Unvollständige, dieses Unprofessionelle, dieses Einfache, drum fühlt er sich auch mit den einfachen Menschen wohler als mit den Intellektuellen oder den Superbürgerlichen. Das ist, was ihn einfach interessiert als Künstler. Und er hat eben auch Galeristen abgelehnt, weil er das alles blöd findet.

„Er ist Prophet und Kaspar“, das sagt Margarethe von Trotta in Ihrem Film über Achternbusch. Wie finden Sie diese Beschreibung?

Für mich ist er einfach der kompromissloseste, mutigste und unabhängigste Filmemacher oder Mensch. Ein Künstler, der einfach nur seine Sachen macht, der sich nie nach irgendwelchen Moden oder Meinungen oder Strömungen oder Geldgebern orientiert hat, der immer macht, was ihn bewegt.

Erlauben Sie die Frage – in Ihrer Filmografie finden sich Inga Lindström und Rosamunde Pilcher, eine - sagen wir – verblüffende Kombination mit Achternbusch.

Ja, das hat sich so ergeben. Mein erster Film war ein politisches Drama, dann kam eine Komödie und irgendwann wurden mir die Schmonzetten angeboten und dann habe ich mir gesagt: Ich drehe einfach gerne und ich erreiche damit sieben oder sechs Millionen Zuschauer, was ja auch toll ist, und ich lerne dabei mein Handwerk und werde routinierter. Und ich finde diese Filme kann man auch ordentlich machen, wenn man Liebe da reinsteckt. Aber klar, ins Schubladendenken passt diese Kombination nicht.

Nachdem Sie ihm jetzt so nahe kamen, was mögen Sie an Herbert Achternbusch besonders?

Am meisten an ihm mag ich einfach seine unglaubliche Fantasie, die er selber nicht limitiert, ich finde sie unfassbar. Es gibt eine Stelle im allerletzten Film, das war eine Rache an Helmut Kohl, weil Zimmermann, ihm 1982, für „Das Gespenst“, den Filmpreis aberkannt hat. 1998 hat er seinen letzten Film drüber gemacht, es ging darum, dass nach 16 Jahren Kohl-Regierung alle arbeitslos sind. Und ich sehe auf der Leinwand Steinzeitmenschen und frage: „Herbert, das verstehe ich jetzt nicht. Warum laufen da jetzt nackerte Studenten rum, die einen auf Urmensch machen?“ Sagt er: „ ja, weil selbst der Urmensch und der Baummensch, wie er sie genannt hat, schon gegen Helmut Kohl waren.“ Und dafür liebe ich ihn! Seine Fantasie ist einfach so grenzenlos verrückt und schräg! Für mich ist er künstlerisch ein Gigant.

Festivalteilnahmen

Nach der erfolgreichen Weltpremiere bei den 42. Internationalen Hofer Filmtagen am 24.10.08 wurde "Achternbusch" auch zum International Film Festival Rotterdamm (21.01.09-01.02.09) und zum Göteborg International Film Festival (23.01.09-02.02.09) eingeladen.

Stabliste

Buch und Regie

Andi Niessner

Kamera

Markus Krämer

2. Kamera

Antonello Di Meo, Frank Heidbrink, Richy Koburg

Ton

Sebastian Simon, Hans Schranz, Ulla Kösterke, Frank Heidbrink 

Licht

Valdrin Dragidella, Antonello Di Meo

Schnitt

Katja Hahn

Tonmischung

Mars13, Peter Riegel

Postproduktion

Michael Sänger Film

Produktionsassistenz

Marlies Wirthner, Valentina Marboe

Produktionsleitung

Marcus Boehnke, Florian Perger

Herstellungsleitung

Alecsander Faroga

Producer

Golli Marboe

Produzent

Martin Choroba

Redaktion

Walter Greifenstein, Petra Felber, Armin Kratzert (BR),

Franz Grabner  (ORF)


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